• Donnerstag, Januar 8, 2026

In den Niederlanden hat ein Gericht eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Eine Ehe wurde annulliert, weil die Traurede von der KI ChatGPT verfasst worden war.

Der ungewöhnliche Vorfall

Das Paar, dessen Namen nicht genannt werden, feierte seine Hochzeit in Amsterdam. Statt einer persönlichen Rede des Trauzeugen oder eines Familienmitglieds entschied sich das Brautpaar für eine moderne Variante. Sie ließen die gesamte Traurede von ChatGPT generieren. Die KI erstellte einen Text, der von Liebe, Treue und gemeinsamer Zukunft handelte – scheinbar perfekt für den Anlass.

Die rechtlichen Bedenken

Doch Monate später kam es zu Streitigkeiten im Paar, und einer der Partner beantragte die Annullierung der Ehe. Das Gericht in Den Haag prüfte den Fall und kam zu dem Schluss, dass die Nutzung einer KI-generierten Rede die Echtheit der Zeremonie in Frage stelle. Laut Urteil fehle es an der notwendigen persönlichen Beteiligung, die für eine gültige Eheschließung erforderlich sei. Die Richter argumentierten, dass maschinell erzeugte Inhalte die emotionale Tiefe und Authentizität einer Hochzeit untergraben könnten.

Hintergrund zur KI-Nutzung

ChatGPT, entwickelt von OpenAI, ist ein leistungsstarkes Sprachmodell, das auf riesigen Datenmengen trainiert wurde. Es kann Texte in Sekundenschnelle erstellen, die menschlich wirken. In den letzten Jahren hat sich die Nutzung solcher Tools in Alltagsbereichen wie Schreiben, Marketing und sogar kreativen Prozessen stark verbreitet. Doch dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf potenzielle Risiken, wenn KI in sensible Bereiche wie rechtliche Zeremonien eindringt.

Ähnliche Fälle und Expertenmeinungen

Experten aus dem IT-Bereich und Juristen diskutieren nun intensiv über die Implikationen. Ein Rechtsprofessor aus Utrecht betonte, dass KI-Texte zwar hilfreich seien, aber in formellen Kontexten wie Eheschließungen die Grenzen der Legalität testen könnten. Es gibt bereits vergleichbare Vorfälle, etwa bei Verträgen oder Testamenten, die mit KI-Unterstützung erstellt wurden und später angefochten wurden. Die Debatte dreht sich um die Frage, ob maschinelle Inhalte als gleichwertig zu menschlichen gelten dürfen.

Auswirkungen auf die IT-Welt

Dieser Gerichtsentscheid könnte weitreichende Konsequenzen für die KI-Branche haben. Unternehmen wie OpenAI könnten gezwungen sein, Warnhinweise für die Nutzung ihrer Tools in offiziellen Dokumenten oder Zeremonien einzubauen. Zudem könnte es zu neuen Regulierungen kommen, die den Einsatz von KI in rechtlichen oder persönlichen Angelegenheiten einschränken. In den Niederlanden plant das Justizministerium bereits eine Überprüfung der Ehegesetze im Hinblick auf digitale Einflüsse.

Fazit

Wenn sogar die Liebe von Bits und Bytes torpediert wird, dann gute Nacht, Romantik – vielleicht sollte man nächstes Mal den Chatbot bitten, die Scheidungspapiere zu schreiben, das spart Zeit und Nerven.